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Redaktionell "überarbeiteter"
Artikel in der "Geislinger Zeitung" vom 18. März 2008

AUS DER SCHULE GEPLAUDERT

"Brauche kein Mitleid, sondern Verständnis für meine Situation"
Schüler der Geislinger Emil-von-Behring-Schule lernten eine schwerbehinderte Frau mit viel Lebensmut kennen

Geislingen. Durch eine nicht alltägliche Begegnung konnten die Schüler im dritten Jahr der Altenpflegerausbildung der Geislinger Emil-von-Behring-Schule ihr berufliches Handeln im direkten Erfahrungsaustausch mit Conny Pabst festigen. Sie ist eine Frau im mittleren Lebensalter, die wegen einer seltenen Muskelerkrankung seit ihrem 19. Lebensjahr im Rollstuhl sitzt, seit einiger Zeit selbst diesen gegenwärtig nicht mehr nutzen kann, sondern sehr viel Zeit im Bett verbringen muss. Von dort aus muss sie ihren Alltag organisieren  und bewältigen. Dazu benötigt sie zusätzlich "fremde" Hände, die all das für sie ausführen, was sie selbst nicht mehr kann. Selbstbestimmt und eigenverantwortlich hat sie in der eigenen Häuslichkeit leben gelernt trotz künstlicher Rund-um-die-Uhr-Beatmung. Das war bis zu unserer gemeinsamen Begegnung für uns nicht vorstellbar. 

 „Ich brauche kein Mitleid, sondern Verständnis für meine Situation, das Mitfühlen anderer, ist etwas Kostbares und ich bin froh, dass mir das geschenkt wird“, betont Conny Pabst überzeugt. „Durch mein Handicap bin ich dazu erzogen ganz viele Sachen im Kleinen zu entdecken, ich muss mir sozusagen andere Nischen suchen.“ Alltägliches wird bei Conny Pabst zum Abenteuer. Auf die Frage, wie sie den Alltag und das Leben überhaupt bewältige, ob sie eine Beziehung zu Gott habe, entgegnet Conny Pabst überzeugt, dass sie nicht mehr hier wäre, wenn es Gott nicht gäbe. „Es gibt eine Macht, die alles lenkt!“

Angesichts ihrer unsagbar schweren Situation lassen diese Worte erstaunen. Keine angesagte Trauerstimmung, keine gebetsmühlenhafte „Warum-Ich-Fragen“, kein Selbstmitleid beherrschen den Alltag. Was hervorsticht ist eine garantiert lebensbejahende Einstellung, ein ungebrochener Lebensmut und eine überzeugende Offenheit, wenn auch mitunter immer wieder schwierige Lebenslagen überwunden werden müssen.

Darüber hinaus ist Conny Pabst eine sehr gut informierte und lückenlos aufgeklärte Klientin, die sich als Vertragspartnerin eines innovativen Dienstleistungsunternehmens versteht. Denn ein selbstbestimmtes Leben unterstützt ein ambulanter Rund-um-die-Uhr-Intensiv-Pflegedienst, der sie als Auftraggeberin ernst nimmt. Ein Dienstplan, der ihre Wünsche berücksichtigt und ein Mitsprachrecht bei der Auswahl der eingesetzten Mitarbeiter werden realisiert.

Eine 24-Stunden-Versorgung erfordert eine gute Balance zwischen Nähe und Distanz. „Um dies zu erreichen, braucht es den Willen, sich auf Beziehungen einzulassen, Stimmungen wahrzunehmen, sie richtig einzuordnen“ bekräftigt Conny Pabst. Immerhin muss sie ihre Privatsphäre unausweichlich mit elf Pflegekräften teilen, die sie in mehrstündigem Rhythmus in ihrer Situation ganzheitlich unterstützen. Das Alleinsein wird somit „als Rückkehr zur Realität“ erlebt. „Unbedingt erforderlich ist eine offene Zusammenarbeit untereinander.“ Mitunter bedeutet das auch kritische Rückmeldung geben und ertragen. Conny Pabst besticht nämlich nicht nur durch einen geschulten Blick. Sie ist darüber hinaus durch ihr besonderes Los zu einer unschlagbaren Expertin der pflegerischen Praxis geworden.

Und noch ein Hinweis:
Conny Pabst benötigt dringend eine neue und spezielle „Antidekubitusmatratze“ und ein spezielles "Antidekubitussitzkissen" für ihren E-Rollstuhl. Tatkräftige Unterstützung wäre wünschenswert.

Melitta Bolek


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